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Viertel vor Fressenszeit

„Ihr Menschen seid schon ganz schön wunderlich!“ – Rike scheint ehrlich empört zu sein. „Euer Genie Einstein hat schon gesagt, dass man das Zeitkontinuum nicht stören darf. Wieso also stellt Ihr zweimal im Jahr Eure Uhren um?“

Ich gebe zu, dass ich mich das auch frage. Noch mehr verwundert es mich aber, dass auch Rike sich mit dieser Frage beschäftigt. Sie krabbelt unter der Tagesdecke hervor: „Es gibt nur eine Zeit. Wenn es hell wird, ist Fressenszeit. Wenn die Sonne am höchsten steht, ist Fressenszeit. Und wenn es langsam dunkel wird, nach dem abendlichen Klönschnack mit den Kollegen, ist Fressenszeit. Das ist doch ganz einfach, denn danach, wenn es für Euch dunkel ist, habe ich zu tun!“

Rike ist nicht auf den Kopf gefallen. Aus Katzensicht ist die Welt so einfach. Aber mal ehrlich, ich bin mir nicht im Klaren darüber, welche Zeit ich lieber habe – die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) oder die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ). Ich mag es im Sommer gern lange hell und ich mag es im Winter nicht, wenn es erst um 9 Uhr morgens andeutungsweise hell wird. Und ich mag nicht zweimal im Jahr alle 15 Uhren, die sich bei mir eingeschlichen haben, vor- oder zurückstellen. Funkuhren bieten auch keine Alternative, denn meistens ist ein Batteriewechsel fällig – genau dann.

Rike verkrümelt sich wieder unter die Tagesdecke: „Ihr Dosenöffner habt Sorgen und selbst gemachte Probleme. Ich sage Dir schon, wenn Fressenszeit ist!“

Für Rike ist also jetzt Viertel vor Fressenszeit. So einfach ist das.

19 Uhr Fellnasen-Kino

 

In den letzten Tagen hatten wir wirklich kalte Nächte, teilweise bis -12 oder sogar 17 Grad Celsius. Bemerkenswert fand ich, daß meine diversen Fellnasen bei Kälte ganz schnell ihren Bildungsbedarf entdecken und tatsächlich pünktlich zur „heute“-Sendung im ZDF sämtlich Sessel vor dem Fernseher besetzen. Pummel, die Chefin, führt natürlich das Wort: „Nun, mach hin, es ist gleich 19 Uhr!“

Auch Tello, der Kater, der eigentlich immer nur auf Durchreise ist, findet sich ein und besetzt seine Fensterbank. Rieke liegt schon länger in eine Decke eingekuschelt auf dem Sofa und zwinkert nur „Nun?“ – Ja, dann können die Nachrichten kommen …

Den Wetterbericht warten alle Drei nicht ab. Pummel bemerkt: „Ich weiss selbst, wie das Wetter wird!“ – Tello und Rieke sind schon wieder draussen, nur mal frische Luft schnappen, wie sie sagen. Dann bleiben sie aber doch oft gleich in der freien Natur. Da ist es trotz Kälte wohl auch viel interessanter. Nur Pummel blickt mich bei Rausgehen fragend an, ob ich denn auch YouTube hätte. „Da gibt es doch immer diese Filme, wenn Katzen Unsinn machen. Das sehe ich gerne! Ich bringe Dir auch wieder eine Maus mit“.

Ja, meine Fellnasen sind wohl klüger als ich dachte. Und auch besser informiert. Ich will nicht unhöflich sein, aber die Maus lehne ich dankend ab.

Der Tramp

Das sei der Vollständigkeit halber hier kurz erwähnt: der schwarze Kater mit der weissen Blässe an der Brust („Tello“) lebt. Nach dem er sich etwa vor 14 Tagen eine Verletzung am Hinterbein zugezogen hatte und eine Nacht bei mir übernachtete, hat er sich bei Nachbarn gesund pflegen lassen. Heute kam er kurz vorbei, fraß einen kleinen Napf leer und zog vergnügt weiter. Er ist und bleibt ein Tramp und es gibt erfreulicherweise tierliebe Menschen in Adolphsdorf. 

Testament einer Katze

Als Katzenfreund finde ich so etwas natürlich. Das ist bei Facebook in den einschlägigen Gruppen auch nicht schwer. Ich mag diese Gruppen wie z.B. „Ein Leben ohne Katze ist möglich, aber sinnlos“. Ich glaube auch meine Katzen, Pummel und Rike (und Tello) würden ein ähnliches Testament aufsetzen. Es ist nunmal so: fühlen sich meine Katzen wohl, dann fühle auch ich mich wohl.

Tello, der Streuner

Jetzt mache ich mir doch Sorgen. Es ist schon öfter vorgekommen, dass mein Tello zwei oder drei Tage lang nicht sichtbar war. Dann machte er seine ausgedehnten Kontrollgänge durch die Umgebung. Anschließend legte er sich nach einer ausgedehnten Mahlzeit genüsslich für einen Tag und eine Nacht auf die warme Fensterbank und rührte sich nicht. Aber jetzt sind es schon fünf Tage!

Seltsam, wie schnell man sich an solch ein munteres Kerlchen gewöhnen kann, sein freudig erregtes Mauzen, wenn er wieder mal eine ganze Gekochte aus dem Kühlschrank zog. Sein freundliches Anstupsen, wenn er seine Streicheleinheiten haben wollte. 

Im meiner langen Geschichte mit den verschiedensten zugelaufenen und häuslich gewordenen Katzen habe ich es schon oft erlebt, dass sie mal für längere Zeit verschwunden waren. Manche kamen erst nach Wochen wieder, dann aber auch irgendwie verändert, und manche kamen gar nicht wieder. So ist das nun mal auf dem Lande und ich bewundere es ja auch, Katzen sind frei und ungebunden. Aber Tello möchte ich wieder bei mir haben. Vor allem möchte ich, dass es ihm gut geht – egal wo auch immer.

Fünf Tage war er unterwegs und ist mit einem dicken Fuss nach Hause gekommen. Er blieb genau zwei Tage, zog das rechte Hinterbein nach, hat kaum etwas gefressen und – erstaunlich für ihn – kaum etwas gesagt. Wie er gekommen ist, so ist er dann auch wieder verschwunden und das ist nun auch schon wieder fünf Tage her. Ich befürchte das Schlimmste, aber auch das habe ich schon oft erlebt. Katzen haben ein sicheres Gefühl, wann es vorbei ist. Sie ziehen sich zurück und sterben allein.

Ich hoffe er hat es geschafft oder er ist wieder fit und hat sich ein neues Zuhause gesucht. Tello, Du kannst aber gern wiederkommen!

Ein Zettel hängt noch am Wunschbaum

Der „Wunschbaum“ im Futterhaus Lilienthal hatte für den Tierschutzverein Lilienthal in diesem Jahr eine besondere Bedeutung. Wegen des Ausfalls von Veranstaltungen, Patentreffen und der Tierweihnacht gab es in diesem Jahr kaum Gelegenheiten, auf die Arbeit des Vereins hinzuweisen und Spenden einzuwerben. Auch Spontanbesuche des Katzenhauses mussten aufgrund der Coronabedingungen ausfallen. So durften Besuche nur nach Anmeldung und unter Einhaltung sämtlicher Hygienemaßnahmen stattfinden. Vermittlungen sind noch bis zum 5. Januar ausgesetzt. Und das hat seinen Grund! Tiere sind eigenständige Lebewesen, die eine Seele haben. Sie sind keine Sachen, die man zu Weihnachten unter den Tannenbaum legt und, bei nicht gefallen, nach Weihnachten wieder „entsorgt“ wie eine zu laute Kaffeemaschine oder eine Krawatte, die man doppelt hat. Im juristischen Sinne werden z.B. Katzen immer noch als Sache behandelt. Dieser Sachverhalt passt nicht mehr in die Zeit und es wäre zu wünschen, dass sich die Parteien diesen Sachverhalt endlich einmal gründlich vornehmen. Dieser Zettel hängt schon länger und leider wenig beachtet am Wunschbaum von Tierliebhabern in ganz Deutschland.

Trotzdem hat der Lilienthaler Tierschutzverein annähernd so viele Katzen vermittelt wie in den Vorjahren. Auffällig war allerdings, so die Beobachtung des Tierschutzvereins, dass viele gepflegte, offensichtlich von ihren Besitzern ausgesetzte Katzen in diesem Jahr im Katzenhaus aufgenommen werden mussten. Es hat sich vermutlich noch nicht herumgesprochen: niemand muss ein Tier einfach – ich würde es herzlos nennen -aussetzen oder an einer Autobahn-Raststätte anbinden und dann feige wegfahren. Der Tierschutzverein berät auch in kniffeligen Fällen und nimmt das Tier ggf. in seine Obhut. Es wäre doch ein guter Vorsatz für das kommende Jahr: ein wenig mehr Ehrlichkeit sich selbst gegenüber, aber auch gegenüber den Vierbeinern, die uns vertrauen.

  Tierschutzverein Lilienthal, Grasberg und Worpswede

Das allmorgendliche Ritual

Das ist das allmorgendliche Ritual. Pummel wartet vor der Vordertür, dass sie hereingelassen wird. Tello krabbelt durch die Katzenklappe. Irgendwie müssen sie sich verabredet haben. Anders als sonst aber, stürzten sie sich nicht auf die Futternäpfe. Es sah eher so aus als wollten sie diskutieren, quer durch die Küche. Tello zwinkerte mir zu und dreht sich in Richtung Pummel. „Sag‘ mal, alte Dame“ legte Tello los, „gehörst Du nicht zur Hochrisikogruppe? Du bist doch schon 84!“ – Pummel blieb gelassen und sah mich an: „Das habt ihr Menschen verzapft. Alle glauben, dass ein Zweibeiner-Jahre mit sieben Katzenjahren gleichzusetzen ist. Ihr Zweibeiner habt so tolle Mathematiker hervorgebracht, Kopernikus, Keppler, Adam Riese, Lieschen Müller und Dr. Dr. Sheldon Cooper, und ihr glaubt diesen Unsinn immer noch. Jeder ist so jung, wie er oder sie sich fühlt“. Pummel reckt sich:“ Sieh mich an. Ich habe 12 Sommer erlebt und 11 Winter. Ich habe rund 35 Kinder, die alle längst woanders leben oder über die Regenbogenbrücke gegangen sind. Ich fühle mich hier wohl und wenn mir danach ist, dann fange ich locker 10 Mäuse in einer Nacht. Ich gehöre immer noch zur Hochrisikogruppe, allerdings für die Mäuse. Und du, Tello, wieviel Mäuse fängst Du?“ – Uff, das hat gesessen. Tello, ohnehin leicht zu beleidigen in seinem Katerstolz, dreht sich weg und schaut angestrengt aus dem Fenster. „Ich übe noch. Hab ja auch erst zwei Sommer erlebt und schließlich ist der Napf immer voll, wenn ich da bin!“ – Pummel zu mir gewandt:“ Da haben wir es wieder. Dieses Jungvolk ist nur Dosenfutter im Fressnapf gewohnt!“

 

Das kann ich bestätigen. Pummel wartet immer, ganz alte Dame, bis sie etwas vorgesetzt bekommt. Tello hingegen bringt es fertig und öffnet die Kühlschranktür – man staune! – und zieht eine ganze Mettwurst heraus. Manchmal muss ich richtig mit ihm rangeln, bis er die Mettwurst wieder los lässt. Tellos Kommentar hinterher lakonisch: „Na, immerhin Sieger nach Punkten!“ – Er ist eben im besten Kateralter.

PS.: Ich wusste gar nicht, dass Pummel Dr. Sheldon Cooper aus der beliebten Sitcom „Big Bang Theory“ kennt. Sie hat mir aber später verraten, dass für sie der Umgang mit einer Fernbedienung ganz normal sei.

Es regnet (wiedermal!)

Dieses Bild könnte den Titel tragen ES REGNET! Und natürlich schauen mich alle meine Vierbeiner vorwurfsvoll an, weil ich diesem Umstand nicht mit irgendeiner Köstlichkeit im Fressnapf Rechnung trage. Demonstrativ nehmen alle ihre Plätze ein und schauen nur nach draußen, in den Regen.

Pummel, die Chefin des Hauses, ist da ein wenig gelassener. Sie nutzt diese Zeit für eine ausgiebige Fellpflege und das, wie so oft, mitten auf dem Tisch. Na ja, Katzen sind sehr saubere Haustiere, aber ein Allergiker würde schon beim Anblick dieses Küchenstillebens Hautausschlag bekommen. Pummel zwinkert mir zu: „Das hast Du nun davon“, und leckt sich genüsslich ihre Vorderpfote. Ich frage: „Wovon habe ich was?“ – Sie dreht sich zu mir um und nimmt Haltung an: „Alle meine Kollegen im weiten Umfeld wissen, dass es bei Dir immer gutes Fressen gibt, pünktlich, sauber und für jeden etwas. Da musst Du Dich nicht wundern, dass sie sich auch bei Regen daran erinnern, dass es bei Dir in der Küche schön warm und mollig ist. Und ein Freßchen fällt dabei auch noch für jeden ab“.

Rike und Tello, der Kater mit dem Fensterblick, drehen sich zu Pummel um: „Chefin, Du musst auch nicht alles verraten. Der kalte Winter kommt doch noch erst“. Pummel: „Ich wollte es ja nur mal gesagt haben!“

Aber es ist tatsächlich so und zum Glück habe ich eine Katzenklappe. Die intelligenteren dieser Stubentiger wissen sogar, dass sich diese Klappe in beide Richtungen öffnen lässt. Katzen wissen immer sehr genau, was die Glocke geschlagen hat oder welche Jahreszeit wir haben. Ende Februar, Anfang März bereits sind sie lieber draußen und in etwa ab Anfang November richten sich im Haus auf Dauer ein. Sie wissen auch genau, wann es Regen gibt. Dann sitzen sie nämlich schon lange vorher am Fenster. 

Einen Vorteil hat es drei Meteorologen im Haus zu haben. Ich kann die Ergebnisse eine Waschtages immer rechtzeitig und trocken von der Wäscheleine nehmen.