Archiv der Kategorie: Soziales

Verkorkste Pflege

Die Pflegeversicherung ist 1994/95 eingeführt worden, um die Sozialhilfe zu entlasten. Die Last der Pflegekosten ist also vom Steuerzahler auf den Kreis der Versicherten übergegangen. Da Pflege auch damals schon gewaltige Kosten erzeugte, besann man sich darauf die Leistungen der Pflegeversicherung als Zuschuss zu bezeichnen. Wer Geld hat, muss sich keine Gedanken machen. Wer Otto-Normalverdiener ist, den kann es hart treffen. So manches kleine Häuschen ist schon für die nicht von der Versicherung gedeckten Pflegekosten „verfüttert“ worden. Und natürlich gilt ambulant vor stationär, was die eigentliche Belastung von vorne herein der Familie aufbürdet.

Pflege-Ökonomie hört sich harmlos an, aber die Folgen des Einzugs des Kapitals in die Pflege erleben wir jetzt. Wie in Krankenhäusern auch, wo Pflege fast überhaupt nicht mehr stattfindet, erleben wir jetzt in Pflegeheimen, was passiert, wenn Personal eingespart oder schlecht bezahlt wird. Pflege als Profit- oder Renditeobjekt!

Jeder, wirklich jeder weiss, dass das menschenverachtend ist und es jeden, wirklich jeden, von heute auf morgen selbst treffen kann auf andere Menschen angewiesen zu sein. Wer soll dann da sein? Ein paar gestresste Lohnsklaven auf der einen Seite, dickbäuchige Aktionäre auf der anderen Seite vielleicht.

Pflege braucht nicht das x-te Reförmchen, mit der sich neue Minister profilieren möchten. Die Sache ist verkorkst! Pflege braucht eine gänzlich neue Struktur und gut bezahltes Personal, das gesellschaftliche Wertschätzung erfährt.

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Anti-Was?

Es liegen Welten zwischen dem „scripted-reality“ Hartz IV-Fernsehen und den pseudopädagogischen Belehrungsprogrammen der Öffentlich-Rechtlichen („Knopp-TV“). Allerdings, beide gehen an meinem Fernsehbedarf komplett vorbei. Über das Hartz IV-Fernsehen der Privatsender brauche ich eigentlich kein Wort zu verlieren. Ich mag es nicht per Quote als Projektionsfläche für Werbung verkauft zu werden, damit sich irgendwelche Kapitalisten/Investoren die Taschen füllen.

Ich mag aber auch einseitige Betrachtungs- und Darstellungsweisen nicht, wie sie die öffentlich-rechtlichen Sender zur Schau tragen. Ein Beispiel: bei dem Wort „anti-semitisch“ müsste man einmal in die Tiefe gehen und erklären, was es überhaupt bedeutet. Mit „semitisch“ ist eine ganze Völkergruppe beschrieben, von den Phoeniziern über die altjüdischen Stämme am Jordan bis hin zu den Arabern Nordafrikas und der Levante. Was kann da denn „anti-semitisch“ sein, wo wir als Angehörige des christlichen Abendlandes von den Arabern große Teile der Wissenschaft und das Zahlensystem und von den Juden einen abgewandelten Glauben übernommen haben. War das ach so dunkle Mittelalter toleranter als wir es heute sind? 

Warum sollte ein Araber „anti-semitische“ Hetze betreiben? Er würde zum Hass gegen sich selbst aufrufen. Warum sollte ein Deutscher „anti-semitisch“ hetzen? Er würde ganze Kontinente südlich von Europa gegen sich aufbringen. Schön blöd, kann ich da nur sagen, wenn man aus der eigenen Geschichte nichts lernt. Verbrechen sind Verbrechen und Schuld ist individuell, überall auf der Welt und auch im Geltungsbereich des Grundgesetzes. Urteile, die abschreckend wirken sollen, sind Fehlurteile. Aber in einem Staat, in dem das Leugnen des Dreissigjährigen Krieges ein Straftatbestand ist, ist allerdings vieles möglich …..

Da liegt noch so einiges im Bürgerpark

Kürzlich fanden Kinder beim Spielen im Bremer Bürgerpark einige Gewehrgranaten aus dem Krieg. Diese waren noch scharf. Zum Glück reagierten die Kinder richtig und haben die Finger davon gelassen und die Polizei informiert.

Der Bürgerpark hat im Frühjahr 1945, in den letzten April-Tagen, turbulente Stunden erlebt. In einem Bunker an der Parkallee war der letzte Gefechtsstand des Bremer Kampfkommandanten. Auf der anderen Seite des Bürgerparks spielte sich ein tragisches Drama vor einem der Bunker an der Neukirchstrasse ab. In den letzten Stunden vor der Kapitulation Bremens und der Übergabe an die Engländer traf ein Tieffliegerangriff viele Frauen und Kinder, die vor dem Bunker auf die Ausgabe von Milch warteten. Es gab im letzten Moment noch viele Opfer. Den Findorffern signalisierte ein paar Stunden später eine große weisse Fahne, die aus dem Klohäusen am Eingang zum Bürgerpark hing, das Ende der Kämpfe. Auch auf der anderen Seite des Bürgerparks endeten die Kämpfe. Der Kampfkommandant gab auf – endlich! Die letzten Soldaten hatten es geschafft. Sie kamen in englische Kriegsgefangenschaft. Die Engländer zogen weiter und standen schon in den ersten Maitagen vor Hamburg. Das schwer zerstörte Hamburg musste als „Offene Stadt“ nicht, wie Bremen, noch sinnlose Kämpfe in allerletzter Minute erleben.

In dem Trubel dieser Tage, gleich nach der Kapitulation, haben Findorffer Jungs ihre „Werkzeuge“ wie Fanfaren, Standarten, Trommeln und einige nun nicht mehr gebrauchten Bilder des Führers im nördlichen Bürgerpark vergraben. Es wird auch der eine oder andere „Ehrendolch“ dabei gewesen sein. Diese Buddelaktion ist von mehreren jugendlichen Zeitzeugen bestätigt. Die einzige Ortsangabe lautetete allerdings: beim „Judentempel“. Damit wird heute kaum jemand etwas anfangen können, aber die Waldbühne soll nicht weit entfernt gewesen sein. Einige Schilderungen sind der Hektik der Situation geschuldet und einiges ist sicherlich auch übertrieben oder frei erfunden. Alle sind sich aber einig in der Schilderung der plötzlichen Ruhe, nachdem die Kämpfe vorbei waren, und in dem Gefühl WIR HABEN ÜBERLEBT.

Buchtip: Kriegsende in Bremen – Erinnerungen, Berichte, Dokumente – 6,49 Euro

Delete Facebook? Jetzt?

Peinlich, dieser Internet-Hype …… da wird wiedermal eine Sau durchs Dorf gejagt, alle sind empört, alle sind besorgt, aber alle nehmen die Bequemlichkeit gern in Kauf. Jetzt zeigen auch die, die selbst nicht die Schweigsamsten sind, mit dem ausgestreckten Finger auf Facebook. 

Es müsste sich doch längst herumgesprochen haben, dass es 1. im Internet nichts umsonst gibt und 2. im Internet nichts privat ist oder bleibt. Übrigens, auch nicht im versteckten Teil des Netzes, dem gerühmten Darknet. Sobald der Computer oder das Smartphone eingeschaltet wird und mit dem Internet verbunden ist, ist nichts mehr privat! Und das überall auf diesem Planeten!

Das Internet wird sogar zur Gefahr, wenn es kommerziellen Unternehmen überlassen wird die Regeln aufzustellen und selbst Länder, Staaten und demokratisch gewählte Regierungen nichts mehr zu melden haben.Soll Europa, soll Deutschland eine Kolonie der Internetriesen bleiben? Nein, selbst auf die Möglichkeit hin, dass wir einen großen Teil liebgewordener Gewohnheiten aufgeben müssen und in tristen Innenstädten oder Shopping-Malls einkaufen müssen. Oder wieder zum Telefonhörer greifen oder Briefe schreiben müssen! Lesen können ist ohnehin ein Vorteil auch in der nächsten Welt!

Die Regenbogenbrücke

Eine Brücke verbindet den Himmel und die Erde, die man wegen ihrer vielen Farben „Regenbogenbrücke“ nennt. Wir Alle müssen einmal über sie gehen, egal ob Mensch oder Tier und diejenigen die zurückbleiben werden ewig an sie denken.

Wenn also ein geliebtes Tier stirbt, begibt es sich zu dieser Regenbogenbrücke. Hier liegt ein Land mit Wiesen, Hügeln und saftigem, grünen Gras. Dort gibt es immer zu fressen, zu trinken und es ist warm – es ist schönes Frühlingswetter. Die alten und kranken Tiere sind hier wieder jung und gesund. Sie spielen den ganzen Tag zusammen.

Als der Regenbogen verblasste, da kam der Albatros, und er trug mich mit sanften Schwingen weit über die sieben Weltmeere. Behutsam setzte er mich an den Rand des Lichts. Ich trat hinein und fühlte mich geborgen. Ich habe euch nicht verlassen, ich bin euch nur ein Stück voraus.

Wer’s mag, kann sich meine „Katzenbilder“ mal anschauen.

Kernsatz des Kapitals: NACH UNS DIE SINTFLUT

Das, was derzeit rund um die KITAS in Bremen passiert, passiert auch in anderen sozialen Einrichtungen. Nur, in der Betreuung von Kindern schlägt der Personalmangel sofort zur Öffentlichkeit durch, dank der berechtigterweise besorgten Eltern. Die anderen sozialen Einrichtungen leiden im Verborgenen und die Öffentlichkeit nimmt kaum Notiz. Auch in Einrichtungen der Behindertenhilfe, der Obdachlosenhilfe, der Pflege und der psychiatrischen Betreuung gilt: Bewohner bringen Geld, Mitarbeiter kosten Geld. Dr. Lieschen Müller weiss dann sofort, wo gespart werden soll.

Die Rechnung ist simpel und leider ohne den Wirt gemacht. Die Rechenkünste der Betriebswirtschaft sind in der sozialen Arbeit fehl am Platz, auch wenn gewisse Managementschulen da anderer Meinung sind. Volkswirtschaftlich gesehen schafft der Qualitätsverlust durch Personalabbau und Personalmangel einen immensen Schaden. Dieser Schaden ist leider nicht sofort in Euro und Cent auszudrücken oder in Quartalsberichte zu pressen. Wie hoch sind z.B. die Kosten des Vertauensverlustes von Eltern in die Öffentliche Hand? Wie hoch sind die Gesundheitsfolgekosten durch ständige Überlastung der Mitarbeiter? Was kostet ein Mensch, der nicht ordentlich gepflegt wird? Ethik und Moral hin oder her, das Geld regiert und damit das kurzfristige Denken. 

Mit anderen Worten: Wir werden schon sehen, was wir davon haben. Oder, nein, richtiger gesagt: die Nächsten werden mit dem umgehen müssen, was wir ihnen hinterlasssen. Ein Kernsatz des Kapitals: NACH UNS DIE SINTFLUT!

Keine Verbesserungen in Bremen

Für Heime, die Pflegeeinrichtungen gleichgestellt sind, gilt lt. Brem. Beschlussprotokoll vom 7.12.2017 eine Fachkraftquote von 3 auf angefangene 30 Bewohner. Die Fachkraftquote für den Nachtdienst ist von eins zu 50 auf eins zu 40 erhöht worden. Für alle anderen Heime, die nicht Pflegeeinrichtungen oder gleichgestellt sind, gilt eine für die Tätigkeit angemessene und den Leistungsvereinbarungen entsprechende Personalpräsenz.

Bemerkenswert ist aber, dass die Berufsgenossenschaft Sozial & Gesundheit die Möglichkeit zur Eigensicherung der Mitarbeitenden, u.a. mindestens durch jeweils einen zweiten Mitarbeitenden, für erforderlich erachtet. Sicherlich spielt die vorhandene Personalpräsenz auch bei der Personalgewinnung eine bedeutende (oder abschreckende) Rolle.

NEU: Personen, die den Bundesfreiwilligendienst oder ein FSJ absolvieren oder Azubis sind, dürfen generell auf den Personalschlüssel angerechnet werden, aber nicht alle Tätigkeiten ausführen.

Getaggt mit ,

Was macht eigentlich ……

Was macht eigentlich jemand, der unschuldig einer schlimmen Tat bezichtigt wird? Nun, er streitet ab. Was soll er sonst machen? Aber genau dieses Abstreiten macht ihn in den Augen der meisten Menschen gleich wieder verdächtig, zumindest ein wenig. Manche meinen sich mit dem Uraltspruch „Wo Rauch ist, ist auch Feuer“ oder einfach „Irgendetwas wird schon dran sein“ auf der intellektuell richtigen Seite. Für einen großen Teil der veröffentlichten Meinung sind diese Halbwahrheiten sogar Nahrungsgrundlage, ökonomische Basis eben. Das wiederum wirft einen mächtigen Schatten auf den Anspruch der Presse die vierte Säule der Demokratie zu sein.

Braucht unsere Demokratie eine vierte Säule? Ich meine nein, denn Judikative, Executive und Legislative – sauber getrennt und von einander unabhängig – reichen vollkommen aus. Und wir haben ein Grundgesetz, das die Würde des Menschen hochhält. Auch schafft es einen Grundsatz, der – man mag es kaum glauben – auch Unschuldige schützt. Bis zum Beweise des Gegenteils hat ein Mensch als unschuldig zu gelten. Die Presse täte gut daran sich diesen Grundsatz wieder zu eigen zu machen, trotz „political correctness“, trotz „#metoo“

Die Tage werden länger

Es war immer schon mein Wunsch einmal solch eine kleine Skizze anzufertigen. Es ist ganz einfach beruhigend zu wissen, dass die Tage ab dem 21. Dezember wieder länger werden. Der Sonnenaufgang erfolgt von Tag zu Tag früher, der Sonnenuntergang später. Und wenn dann noch Sonne dazwischen liegt, dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Und im April kommen die Schwalben …

Überlastungsanzeige ist praktisch verpflichtend

Im September 2016 sollte eine Pflegerin in der Asklepios Fachklinik in Göttingen als Vertretungskraft auf einer mit 24 Patienten belegten offenen Station eingesetzt werden. Neben ihr war dort lediglich noch eine Auszubildende im Einsatz. Die Klägerin hielt die personelle Besetzung für unzureichend, sie meldete sich bei dem Pflegedienstleiter. Die Station bekam eine weitere Auszubildende zugeteilt, die ebenfalls stationsfremd war. Außerdem wurde der Klägerin mitgeteilt, dass sie im Falle von unvorhersehbaren Arbeitsspitzen Unterstützung von der Nachbarstation bekommen könne.

Die Pflegefachkraft hielt die Personalsituation weiterhin für unzureichend und verfasste eine sogenannte Gefährdungsanzeige. Nach dem Arbeitsschutzgesetz sind Beschäftigte dazu verpflichtet, unverzüglich ihrem Arbeitgeber oder zuständigem Vorgesetzten jede von ihnen festgestellte unmittelbare erhebliche Gefahr für die Sicherheit und Gesundheit zu melden. Da sie normalerweise auf einer anderen Station arbeite, habe sie keinen der Patienten gekannt, berichtete sie in der Verhandlung. Gerade in einer psychiatrischen Klinik sei es aber wichtig, dass man die Patienten kenne, um mögliche Krisen schnell erkennen und darauf reagieren zu können. Deshalb hätte auf der Station noch eine zweite examinierte Fachkraft eingesetzt sein müssen. Ihr Arbeitgeber hielt die Gefährdungsanzeige für unberechtigt und sprach daraufhin eine Abmahnung aus.

Das Arbeitsgericht Göttingen hielt die Abmahnung für unberechtigt, da diese dem Sinn und Zweck des Arbeitsschutzgesetzes widerspreche. Dieses verpflichte Arbeitnehmer dazu, daran mitzuwirken, dass keine Gefährdungslagen entstehen. Dabei komme es nicht darauf an, ob eine objektive Gefährdung bestehe. Arbeitnehmer könnten auch aufgrund ihrer subjektiven Einschätzung eine Gefährdungsanzeige erstatten. Der Arbeitgeber könne gegebenenfalls mit einer Gegendarstellung reagieren, nicht aber mit einer Abmahnung. Der Arbeitgeber muss eine Abmahnung aus der Personalakte der Fachkraft löschen. Es gebe auch keine Anhaltspunkte dafür, dass die Gefährdungsanzeige missbräuchlich erstattet worden sei. Beschäftigte müssen Gefährdungen melden. Eine subjektive Einschätzung reicht für eine Gefährdungsanzeige.

Quelle: NDR

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