Archiv der Kategorie: Geschichte

Vertell doch mol

„Fief for twelve“ – „Fünf vor Zwölf“ – ist eine bekannte Redewendung, die viel Raum für Interpretationen lässt. Deshalb ist „Fief for twelve“ auch das Thema des diesjährigen plattdeutschen Schreibwettbewerbs „Vertell doch mal“, zu dem der NDR gemeinsam mit Radio Bremen und dem Hamburger Ohnsorg-Theater aufruft. Mitmachen lohnt sich: Auf die sieben Gewinnerinnen und Gewinner wartet Preisgeld von mehr als 5.000 Euro. Zudem werden die 25 schönsten Geschichten am 16. Juni als Buch erscheinen. Und auch in diesem Jahr gibt es wieder den „Ü 18“ Preis. Das „Ü“ ist ein „plattes Ü“ und steht für „ünner“, also unter 18 Jahren.  

Eingereicht werden kann eine niederdeutsch verfasste Kurzgeschichte zum Thema „Fief for twelve“, die bisher noch nicht veröffentlicht wurde. Sie darf nicht länger als zwei DIN A4 Seiten sein (Schriftgröße 12 Punkt, 1,5-zeilig) und muss bis Ende Februar 2020 (Poststempel), geschickt werden an: 

  • Radio Bremen, Stichwort „Vertell doch mal!”, 28100 Bremen
  • NDR 1 Welle Nord, Stichwort „Vertell doch mal!“, Postfach 3480, 24033 Kiel;
  • NDR 1 Niedersachsen, Stichwort „Vertell doch mal!”, 30150 Hannover;
  • NDR 90,3, Stichwort „Vertelldoch mal!”, 20149 Hamburg;
  • NDR 1 Radio MV, Stichwort „Vertelldoch mal!”, Postfach 110144, 19001 Schwerin;

oder per Mail an

  • vertell@radiobremen.de bzw.
  • vertell@ndr.de.

Besondere Aktionen im Internet begleiten den Wettbewerb (www.radiobremen.de und www.NDR.de). 

Hier können Sie einige ältere Beiträge finden.

Einzelinteressen mit Gewalt durchgesetzt

Als hätten wir nicht schon genug Probleme. Hier genügt das Stichwort „Klimawandel“, obwohl ich fürchte die meisten Mitmenschen machen sich gar keine Vorstellungen davon, wie tief dieser Klimawandel in ihr eigenes Leben eingreifen wird. Insektensterben, Nitrate im Wasser und Mikroplastik im Essen, das sind nur einige „Begleiterscheinungen.

Fast schlimmer noch ist aber eine Sache, die (noch) weitgehend unbemerkt abläuft: Mandatsträger werden von Interessengruppen erpresst und bedroht. Sicher, werden Sie sagen, das läuft in Berlin so. Dafür gibt es die mächtigen Lobbys bzw. Industrieverbände. Seien wir ehrlich, auch das stellt die Demokratie in Frage.

Für gefährlicher aber halte ich, dass gewählte Vertreter bzw. Mandatsträger auf der kommunalen Ebene mit Gewalt, ja sogar Mord, bedroht werden. Hier versuchen Einzelne die Interessen ihrer Clique mit rabiater Gewalt durchzudrücken und durch Druck in Politik umzusetzen. Ich vermeide hier die Ausdrücke „links“ oder „rechts“, denn es sind Meinungen einzelner, die über die Allgemeinheit gestellt werden sollen. Und das ist keine Demokratie, abgesehen davon, dass es sich bei Morddrohungen, Waffengebrauch und Beleidigungen sowie Erpressung um strafrechtliche Tatbestände handelt. Unabhängige Legislative, Judikative und Exekutive sind die Säulen der Demokratie. Wenn eine dieser Säulen wackelt, erpressbar ist oder nur Einzelinteressen vertritt, ist die Demokratie am Ende. Nochmal 1000 Jahre?

You’ll never walk alone

Oje, ganz Bremen regt sich über die Formschwäche des Fussballvereins Werder auf. Als ob es nichts wichtigeres gäbe. Mich erinnert die Situation bei Werder irgendwie an den Spruch „Hochmut kommt vor dem Fall“. Ein Verein, der gleich mehrere Jahre hintereinander am Abstieg vorbeigeschrammt ist, die Pokalpleiten nicht zu vergessen, und auch in der letzten Saison nicht gerade glänzte, sprach ernsthaft von Europa oder internationalen Turnieren? Und nun das! OK., träumen darf man auch bei Werder. Aber Träume sind keine Managementgrundlage.

Werder hat ein dickes Plus anderen Vereinen gegenüber, und das sind die treuen Fans. Diese Fans, die regelmäßig und bei Wind und Wetter zu den Spielen ins WeserStadion pilgern und bei 0:5-Rückständen noch aufmunternde Gesänge durchs Stadion hallen lassen, die hat kein anderer Verein in Deutschland. Das sind Fans, die ersetzen locker den 12. Mann auf dem Feld. Man merkt ganz einfach: Werder ist Bremen, Bremen ist Werder.

Über die Medien, insbesondere diejenigen die von aufgeblasenen Sportnachrichten leben, kann man eigentlich nur sagen: Die Hunde bellen, aber die Karavane zieht weiter. Werder wird auch wieder andere, bessere Tage erleben. Und Ihr werdet weiter schwafeln.

Mir fällt nichts besseres ein als „You’ll never walk alone“ (Gerry & The Pacemakers), dem großen Fussball-Tröster auf allen Plätzen dieser Welt.

Wenn Du durch einen Sturm gehst, Kopf hoch,und hab keine Angst vor der Dunkelheit. Am Ende eines Sturms da ist ein goldener Himmel und das süße silberne Lied einer Lerche.

Lauf‘  weiter durch den Wind, lauf‘ weiter durch den Regen. Obwohl deine Träume zerstört und fortgeblasen werden, geh‘ weiter, geh‘ weiter mit Hoffnung in deinem Herzen.

Und du wirst niemals alleine gehen, Du wirst nie alleine laufen. Geh’weiter, geh‘ weiter mit Hoffnung in deinem Herzen. Und du wirst niemals alleine gehen! Du wirst nie alleine gehen!

 

Der Klimawandel schreitet voran

Wissenschaftler teilen Deutschland in zwölf Klimazonen ein, in denen sich Temperatur und Niederschlag deutlich unterscheiden.

Grasberg liegt in der Klimazone Nordwestdeutsches Tiefland.

Hier ist die Durchschnitts­temperatur seit 1881 um +1,5 °C gestiegen.

Im Sommer 2019 wurden in dieser Klimazone 42,6 °C gemessen, mehr als jemals zuvor in Deutschland. Diese Region grenzt an die Nordsee. Sie erwärmt sich wie alle Meere langsamer als die umliegende Landmasse. Und weil die Nordsee in den Atlantik übergeht, steigt die Wassertemperatur langsamer als in der Ostsee.

Durch den Klimawandel steigen die Temperaturen überall auf der Welt. Sie steigen aber nicht überall gleich schnell. Im internationalen Vergleich fällt auf: In Deutschland und in unseren europäischen Nachbarländern erhöhen sich die Temperaturen schneller. Global ist es in den vergangenen 100 Jahren im Mittel 1 °C wärmer geworden, also etwa um ein halbes Grad weniger als in Deutschland.

Lesen Sie mehr dazu ….

Dem Roland die Knie streicheln

Als Bremer, oder anders gesagt als jetziger „Butenbremer“, muss ich mindestens einmal im Jahr auf dem Marktplatz vor dem Rathaus stehen, dem Roland die spitzen Knie kraulen (das bringt Glück!) und die gute Stadtluft tief einatmen. Am besten gelingt das um die Vorweihnachtszeit, wenn der weithin bekannte Weihnachtsmarkt seine Düfte verbreitet und seine Leckereien anbietet. Für mich gehört auch immer eine Bratwurst aus der Hand bei Stockinger zu einem Marktplatzbesuch. Die guten Kohlrouladen am Stand direkt vor dem Dom gibt es leider während der Zeit des Weihnachtsmarktes nicht. Also, Tip merken für später.

Bremen verändert sich. Ob ich nun die Bebauung des Bahnhofsvorplatzes schön oder praktisch finde, kann ich nicht sagen. Aus dem Bus heraus konnte ich nicht viel erkennen, nur Hoteleingänge und Geschäfte, wie man sie neuerdings wieder häufig findet. Die Sögestrasse ist die alte geblieben, immer noch voll mit Menschen die entweder flanieren oder ihre Einkäufe erledigen. Das „Söge-Ensemble“ jedenfalls scheint bei Touristen als Fotomotiv sehr beliebt zu sein. Das Top-Motiv sind aber immer noch die „Bremer Stadtmusikanten“. Überraschenderweise muss man den vielen Touristen gar nicht erst erzählen, dass das Streicheln der Knöchel des Esels dafür sorgt, dass sie wiederkommen können. Sie wissen das. Aber, dass Bambi mit der ganzen Familie in den Wall-Anlagen bei der Mühle steht, das wissen die wenigsten. Und in der Mühle kann man auch noch gut bremisch essen.

Wie gesagt, einmal im Jahr muss ich die Luft auf dem Marktplatz schnuppern und dem Roland die Knie streicheln. Das verspricht die Freiheit (und im nächsten Jahr wiederkommen zu können!)

Ihr werdet Euch noch wundern

Zu den höchsten Gütern unserer verfassten Demokratie gehören die Meinungs- und die Pressefreiheit. Es lohnt sich dafür einzustehen und notfalls zu kämpfen. Niemand hat das Recht Meinungen vorzuschreiben oder kontrollieren zu wollen. Es gibt immer noch Leute, die nicht mitbekommen haben, dass das Mittelalter mit den Scheiterhaufen und den drakonischen Strafen für Menschen mit eigener Meinung vorbei ist. Auch die brauen Zeiten, wo ein Witz in falsche Ohren oder das Radiohören nicht genehmer Sender mit Sippenhaft und KZ „bestraft“ wurden, sind ein für allemal vorbei.

Der Mitte der Bevölkerung kann es egal sein, ob die Versuche die Meinungsfreiheit zu demontieren von Links oder Rechts kommen. Die Mitte der Bevölkerung lässt sich nicht in die engen geistigen Bahnen einer Ideologie zwängen, trotz SocialMedia, Hetze, FakeNews und gekauften Likes. Die Mitte muss nur erst einmal wach werden und spüren, dass es um etwas Wesentliches geht: um die ganz eigene, persönliche Freiheit. Das recht eine eigene Meinung zu haben und diese auch unbeschadet an Leib und Seele äussern zu können, ist die Luft zum Atmen in einem selbstbestimmten Leben. Wer dieses Recht ersticken will, der sollte sich warm anziehen. Ihr werdet Euch wundern, wenn die Mitte erst einmal wach wird und den selbstverliebten Konsum- und Medienrummel hinter sich lässt. Dann geht es um die Grundfesten unserer Demokratie, und zwar die Grundfesten der ganz persönlichen Freiheit, die genau da aufhört, wo die Freiheit des anderen anfängt. Und das ist kein Machtspiel!

„Sire, gebt Gedankenfreiheit“, sagte schon der alte Schiller „…oder verpisst Euch!“ – Letzteres ist leider nicht dokumentiert, aber trotzdem richtig!

Siehe auch Freie Rede im Internet

Ja, der Freimaaarkt …

Ja, der Freimaarkt …. Früher war das ein Thema. Ich bin im Findorff aufgewachsen. Der Freimarkt war unser Spielplatz, auch beim Auf- und Abbau. Durch kleine Arbeiten haben wir uns so manchen Chip für die Autoscooter verdient. Oder auch so manche Runde auf einem echten Pferd bei Haberjahn. Aus der Wilden Maus musste man uns herausholen, wenn die Lichter ausgingen. Und wenn kein Geld mehr da war, – 50 Pfennig für den ganzen Tag – dann gab es da noch das Teufelsrad. Später lag der Freimarkt auch noch auf meinem Weg zur Schule und so manches Mittagessen zu Hause habe ich verpasst. Ich kam nicht an der kleinen Bude an der Findorffstrasse vorbei. 10 Pfennig auf den Schornsteinfeger oder das Kleeblatt, und er wurde wahr der Traum von eigenen Schraubenzieher.

Der Freimarkt war eigentlich immer ganz toll. Das Feuerwerk zu Beginn des Freimarkt habe ich allerdings immer verpasst. Aber manches Mal habe ich mich gefragt, was denn da schon wieder knallt und leuchtet. Im Findorff ist man immer dabei. Der Duft von Zuckerwatte und gebrannten Mandeln zieht durch die Strassen, ebenso die überraschten Rufe der Geister- und Achterbahnfahrer. 

Alles ganz schön, bis zu dem Zeitpunkt, wo ich für mein erstes Auto einen Parkplatz suchen musste. Von Anfang Oktober bis Anfang November ging nichts mehr. Kein Platz, kein Durchkommen. Das ist wohl heute sogar noch viel schlimmer. Ich kann den Ärger der Anwohner gut verstehen. Bei mir hat dieses Drama die Leidenschaft für den Freimarkt erheblich verringert. Fast 30 Jahre war ich nicht mehr da.

Allerdings hätte ich mir gern den „Freimarkts-Umzug“ im Fernsehen angesehen. Aber Radio Bremen schafft es nicht mehr dieses für Bremen wichtige Ereignis ins Bild zu setzen. Warum, wieso? Der Freimarkt gehört doch genau wie Radio Bremen zu Bremen. Da wäre es doch die Pflicht den Umzug zu übertragen, allein schon für die vielen Freunde des Bremer Freimarkts in aller Welt und für die vielen Vereine, Gruppen und aktiven Freunde, die das Leben in Bremen doch erst bunt machen. Bitte, Radio Bremen, übertragt im nächsten Jahr wieder!!!!

Die Last mit der Registrier-Phobie

Noch vor 5 Jahren hätte ich nie gedacht, dass ich einmal ganz weg bin von der täglichen Papierzeitung. Die Regionalblätter sind ein wichtiges Informationsmedium. Lange Zeit habe ich mich zum Beispiel auf die Wümme-Zeitung online verlassen. Aber dann ging es los mit dieser nervigen Werbung, bei der man das Kreuzchen zum Wegklicken erst einmal lange suchen musste. Und dann, irgendwann, kam auch noch der Hinweis „Sie haben 5 Artikel gelesen“ und der eigentlich angesteuerte Artikel war unkenntlich gemacht. „Wenn Sie weiterlesen wollen, dann registrieren Sie sich bitte!“ Und das für 5 weitere Artikel …

Klar, unsere Zeitungen und Zeitschriften kämpfen ums Überleben und müssen irgendwie Geld verdienen. Die klassische Papierausgabe wird zwar nie ganz tot sein, aber ihre Abo-Zahlen und der freie Verkauf gehen gewaltig zurück. Guter Journalismus hat zu kämpfen. Das liegt sicher nicht nur am Internet und am Smartphone, sondern auch am Schulsystem, welches auch Abiturienten mittlerweile als „Beinahe-Analphabeten“ entlässt.

Andererseits gibt es so viele Informationsmöglichkeiten, um sich z.B. über den Katzenhaus-Trouble in Lilienthal, die gestorbenen Altpapiersammlungen oder wiedermal runderneuerte Zukunftskonzepte für Worpswede zu informieren, da muss man sich nicht erst registrieren oder gar für einzelne Artikel bezahlen. Hier ist ausdrücklich nicht Facebook oder Instagram gemeint, denn die zähle ich wie auch RTL2 nicht zu den glaubwürdigen Informationsmedien.Ich gebe auch gerne zu, dass ich eine Abneigung habe mich irgendwo zu registrieren und dieses vermeide, wo es irgendwie geht. Ich stelle mir immer vor, ich kaufe die Zeitschrift mit den vier großen Buchstaben im Zeitschriftenladen und der Verkäufer sagt: „Sie haben schon vier dieser Zeitschriften gekauft! Kann ich mal Ihren Personalausweis sehen?“

2019 ist irgendwie das Jahr der Abschiede. Zuerst die beliebte Dropbox, dann EBay und jetzt auch noch die Wümme-Zeitung. Alle verschwinden im Nirwana der kurzlebigen Cyberwelt. Wer kennt heute noch Napster, Kazaa oder MySpace? Wer nutzt heute noch Altavista, Compuserv oder Nic.de.vu?

Aber zurück zur Wümme-Zeitung. Ich mag sie nach wie vor und lese sie einfach eine Woche später, in aller Ruhe in Papierform und für mich gesammelt von netten Nachbarn. Das Wichtige aus der kleinen Welt habe ich dann eben 7 Tage später. Auch nicht schlimm!