Ersparen wir uns RTL und SAT1?

Muss man sich Sorgen machen um RTL und SAT1, die beiden ersten privaten TV-Sender in Deutschland, die mittlerweile viele Ableger haben und immer mehr Zuschauer verlieren? Ich denke: Nein, denn mir würde es gar nicht auffallen, wenn es die Privaten nicht mehr gäbe.

Am „Publikum“ vorbei

Aber bei dem Programmangebot, was die beiden den Zuschauern vorsetzten, ist der Zuschauerschwund auch kein Wunder. Wer ganze Tagesschienen mit „Scripted Reality“ oder mit irgendwelchen Spiel- und Kochshows als Lückenfüller-Programm bestreitet, sollte lieber den Strom sparen und den Stecker ziehen. Man munkelt sogar, dass beider Sender zu einem Sender vereinigt werden sollen, aber was letztlich geschieht hängt von den Aktionären der Muttergesellschaften ab.

Klar ist aber, dass beide Sender nicht genug Zuschauer für ihre Werbung finden, um dazwischen halbwegs anspruchsvolles Fernsehen zu veranstalten. Wer sich dazu noch hinter eine Bezahlschranke wie bei DVB-T2 HD versteckt, verlangt von den Zuschauern auch noch für die Werbung zu bezahlen. Da ist es doch nur verständlich, dass sich TV-Zuschauer die Sache zweimal überlegen – gerade jetzt, wo jeder auf den Euro schauen muss.

Im übrigen sind viele Nischen besetzt. Sport und auch die Nebensportarten werden vom Sender SPORT1 bestens bedient. Sogar die Dart-Freunde kommen hier auf ihre Kosten. Das Geschäft mit den Breaking News versteht BILD TV noch immer am besten. Bleibt nur die Frage, wann kommt der Sender aufs freie Antennenfernsehen?

Die Nebensender der beiden „Großen Privaten“, wie RTL2, VOX, Kabel, Pro7 usw. sind zu reinen Endlosschleifen verkommen, die laufend Wiederholungen und bereits Gesehenes abnudeln. Von Maxx, Up und Gold oder wie die alle heißen, brauchen wir gar nicht mehr zu sprechen. Im Grunde genommen können sich alle Privatsender in die endlose Reihe der reinen Verkaufssender wie QVC 1, 2 und 3 einreihen – oder tatsächlich den Strom sparen.

Eine Chance in der Konkurrenz zu den Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalten könnte tatsächlich ein starker Privatsender haben, der Qualität hochhält und sich auch ein anspruchsvolles TV-Angebot traut. Und der die Zuschauer nicht mit einer Projektionsfläche für dumm-dreiste Werbebotschaften verwechselt. Wenn das gelingen würde, dann würde das nicht nur die Zuschauer erfreuen, sondern auch die Aktionäre.