Schaut über Eure Nase hinaus

Pummel, die Chefin des Hauses, macht es sich auf meinen Knieen bequem und lässt den Blick in die Ferne schweifen. Sie hat nachgedacht und scheint nicht sehr amüsiert zu sein. „Ihr Dosenöffner seid doch wirklich nur zum Dosenöffnen zu gebrauchen!“ – Sie schnauft verächtlich, so als müsste sie in eine Mäuseleber beißen. „Diese Erde gehört uns allen und Ihr macht sie einfach und ohne zu fragen kaputt. Irgendwann werdet auch Ihr begreifen, dass man nicht viel zum Glücklichsein braucht. Aber ihr Dosenöffner habt ja diesen merkwürdigen Drang alles wissen zu wollen. Ihr lasst der Natur nicht ihre Geheimnisse. Selbst auf dieser Scheibe, die nachts gut sichtbar ist, habt Ihr Eure Fußabdrücke hinterlassen. Und die Meere habt Ihr mit Eurem Müll und Eurem Plastik-Gedöns fast unbewohnbar gemacht.“

Sie hat ja Recht und deshalb sage ich nichts als sie fortfährt: „Ihr schaut nicht über Eure lange Nase hinaus. Ihr holt alles aus der Erde heraus, bis nicht mehr da ist. Ihr blast so viel Mist in die Luft, bis ihr nicht mehr atmen könnt oder es für Euch zu heiß wird.“

Mir bleibt nichts als zu schweigen und bedrabbelt zu gucken. „Und mit Eurer Demokratie ist es auch nicht weit her. Mich würde mal interessieren, was Eure Verwandten, die Schimpansen oder die Schweine dazu sagen!“ – Ich musste schlucken: „Schweine?“ – „Ja, natürlich, Eure Gene stimmen zu mehr als 98 % mit denen der Schweine überein und ich vermute, dass sogar die frei lebenden Schweine einen höheren IQ haben als Eure Anführer!“

Pummel erstaunt mich immer wieder. Ihr Wissen ist enorm. Sie muss lange nachgedacht haben und als sie bei den Küchenschaben ankommt, sagt sie nur noch: „Die waren lange vor Euch merkwürdigen Erscheinungen da und sie werden auch noch lange nach Euch da sein. Aber Ihr schaut ja nicht über Eure lange Nase hinaus. Auch Euer heiliges Buch habt Ihr nicht verstanden. Von ‚Macht Euch die Erde Untertan im Sinne von Berauben und Ausplündern‘ war da nie die Rede. Aber das ist ja noch so eine Sache. Ihr dreht alles so lange hin und her, bis es Euch in den Kram passt!“

Plötzlich springt Pummel auf: „Jetzt habe ich keine Lust mehr. Ihr macht ja doch was Ihr wollt!“ – Als sie schon in zwei Meter Höhe auf ihrem geliebten Aussichtsplatz auf dem alten Haselnussbaum sitzt, maunzt sie noch: „Schau mal auf die Uhr – Fressenszeit!“

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