Mehr und mehr verschwindet Text im Grau

Es versteht sich von selbst, dass guter Journalismus bezahlt werden muss. Es versteht sich auch von selbst, meine ich, dass Journalisten von ihrer Arbeit leben können müssen. Guter Journalismus heißt nicht, dass irgendjemand sich an den Computer setzt und irgendwelche frei erfundenen Geschichten in die Tastatur haut, ohne Recherchen, ohne Faktencheck. Außerdem muss die Nachrichtenflut irgendwie gesichtet und eingeordnet werden. Guter Journalismus macht Zusammenhänge deutlich, geht in die Tiefe und legt den Finger auch auf offene, aber von anderen totgeschwiegene Wunden. Guter Journalismus ist unbequem und nicht angepasst.

Ich bin froh, dass wir solide Medien in Deutschland haben.

Als Konsument bin ich es gewohnt alles kostenlos und umsonst zu erhalten. Das ist sicherlich nicht die Geiz ist geil-Mentalität unserer Tage, sondern stammt noch aus den Anfangstagen des Internets. Die sind leider längst vorbei. Aber die Gewohnheit bestimmte Printmedien als Onlineausgabe aufzusuchen, und zwar täglich, habe ich beibehalten. Es sind gewohnt die ersten Seiten, die ich aufrufe, wenn ich das Notebook oder den grauen Kasten in der Ecke anwerfe, SPIEGEL, ZEIT, Weserkurier, taz und NYT.

Immer öfter aber stoße ich bei Lesen eines interessanten Themas auf eine fließende Grenze. Der Text wird grau und grauer und verschwindet dann ganz. Darunter erscheint eine Aufforderung zum Abonnement, meistens sogar noch einen Monat kostenlos. Ja, es versteht sich von selbst, dass guter Journalismus bezahlt werden muss. Aber muss das so sein, dass mittlerweile fast jeder wirklich interessante Artikel beim Anklicken im Grau verschwindet. Mich ärgert das, wenn ich auf diese Weise in der „Informationsaufnahme“ unterbrochen werden. 

Vielleicht wäre eine Plattform der o.g. Printmedien, die wirklich kostenlos ist, eine Alternative. Die wichtigen Artikel können dann meiner Meinung nach, im Gegensatz zur Bezahlausgabe, auch 2, 3 oder 4 Wochen später dort erscheinen. Mit persönlich ist es egal, ob ich am Montag bereits mehr weiß als andere. Aber ich möchte irgendwann und ohne Abonnement auch die wirklich wichtigen Artikel lesen. Ohne Grauschleier!

Aber ja, es versteht sich doch von selbst, dass guter Journalismus bezahlt werden muss.