Traum von gestern: Modelleisenbahn

Als kleiner Junge, noch vor der Einschulung, habe ich mir am Schaufenster des Spielzeug-Ladens ein paar Strassen weiter die Nase platt gedrückt. Oh, ich konnte nachts nicht schlafen. Ich sah mich als Lokomotiv-Führer oder Bahnhofsvorsteher mit Trillerpfeife. Die Trillerpfeife hatte ich schon, aber die Trix-Mittelspur-Modelleisenbahn hielt mich wach. Und tatsächlich, Weihnachten stand eine einfache Trix-Modelleisenbahn unter dem Baum. Ich war hin und weg, man hat mich wohl zwei Tage nicht mehr gesehen danach. Allerdings nach Neujahr musste alles wieder abgebaut und irgendwo verstaut werden. Wir hatten nur eine kleine Wohnung.

In den folgenden Monaten stand ich wieder häufig im Spielzeugladen. Eine kleine Rangierlok, ein Tankwagen und vielleicht ein paar kleine Häuschen… mein Traum. Tatsächlich, an Weihnachten fand ich diese „Zutaten“ unter dem Baum. Im nächsten Jahr war es ein stärkerer Trafo, ein paar Passagierwagons, Bäume und eine Bahnschranke. Und im Jahr darauf: die V200, eine starke E-Lok, das beste Stück von allem. Das tollste Geschenk war aber, dass ich beobachten konnte, wie auch mein Vater ganz versunken damit spielte.

Ich habe alles fein säuberlich aufgebaut und musste es nach Neujahr wieder abbauen. Beim Tischler besorgte ich mir eine Spahnplatte. Darauf habe ich alles montiert, verlegt, gebaut und entstaubt. Meine Idee war, dass ich die Platte übers Jahr im Keller an die Wand klappen und an Weihnachte wieder hervorholen könnte. Gesagt, getan, denn einen Platz zum stehen lassen gab es immer noch nicht. Das bedauerte auch ganz heimlich mein Vater. Eine komplett fertig montierte Modellbahnplatte an die Wand zu hängen, ist aber auf die Dauer keine gute Idee. Irgendwann habe ich alles in Schuhkartons verpackt. Sie fielen mir erst wieder auf, als ich um- und ausgezogen bin. Wer mehrfach umgezogen ist, weiss mit wie wenigen Dingen man auskommen kann. Tatsächlich aber sind die wichtigsten Kartons immer mitgezogen. Sie standen bis heute in meinem kleinen Häuschen auf dem Dachboden.

Heute habe ich dort aufgeräumt – Gerümpel muss weg  – und plötzlich war ich wieder Lokomotivführer (zwischen Weihnachten und Neujahr). Doch die Trennung war gar nicht so schwer. Es sind andere Dinge und vielleicht auch andere Träume wichtig im Leben. Und echte Sammler zahlen auch ganz gut für gut erhaltene Stücke.

Trotzdem, die drei Lokomotiven behalte ich. Ich werde sie gründlich reinigen, auf ein Stück Schiene setzen, das auf einem lackierten Holzbrett befestigt ist, und dann bekommen diese drei einen Ehrenplatz mit Beleuchtung  in meiner Vitrine. Der Nippeskrams, der dort noch überlebt hat, kommt jetzt endgültig weg, es sei denn, jemand ist an den Bremer Stadtmusikanten aus Plastik, diversen Pfeifenutensilien oder kleinen und großen Rosenquarzen mit heilender Wirkung interessiert.

Eine Anmerkung noch: die Bilder sind Fundstücke aus dem Netz und haben mit meiner dann doch recht bescheidenen Modellbahn-Ausstattung nichts zu tun.