Es gibt keine Drosseln mehr

Eigentlich gibt es im Augenblick zwei Dinge, die mich beschäftigen. Zum einen sind das die sehr stark rechts-vereinnahmten Massendemonstrationen der Menschen in Sachsen. Es gibt durchaus berechtigte Gründe für diese Demonstrationen, aber ich möchte nicht in einem Land leben, in dem auf RTL2-Niveau („Schnauze voll!“) randaliert wird. Zum anderen ist das das Vogelsterben. In Städten hat man es vielleicht noch nicht so richtig bemerkt, aber hier, bei mir im Teufelsmoor, gibt es keine Drosseln mehr, kein abendliches Geflöte aus den Baumspitzen heraus und morgens herrscht auch Totenstille. Keine Drossel, keine Amsel weit und breit.

Wie es mit dem Vogelsterben in Deutschland aussieht, zeigt eine Auswertung von Daten aus der Zeit zwischen 1998 und 2009, die im Oktober 2017 veröffentlicht wurde. Das Ergebnis auch hier: Es gibt einen klaren Rückgang. In nur zwölf Jahren hat Deutschland 12,7 Millionen Vogelbrutpaare verloren. Ihre Zahl ging von 97,5 auf 84,8 Paare zurück. Das entspricht 15 Prozent des ursprünglichen Bestandes von 1998. Wie die Forscher feststellten, sind von diesem Vogelschwund Die Abnahme der Bestände trifft dabei nicht alle Vogelarten gleichermaßen. Mit Abstand am stärksten sind die Verluste beim Star. Der frisch gekürte Vogel des Jahres 2018 stellt 20 Prozent der seit 1998 verlorenen Brutpaare. Mit fast 2,6 Millionen Brutpaaren weniger ist diese einst bei uns extrem häufige Art besonders betroffen. Seine bevorzugten Lebensräume wie Weiden, Wiesen und Feldränder werden immer seltener und artenärmer. Auch die für das Brüten nötigen Baumhöhlen schwinden. Auf den nächsten Plätzen folgen die ebenfalls einst häufigen Arten Haussperling, Wintergoldhähnchen und Buchfink. Aber auch Feldlerche, Feldsperling und Goldammer sind unter den zahlenmäßig größten Verlierern. 

Infos zum Vogel- und Artensterben

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