Der Coup mit der T-Aktie

Eine kleine Schraube rückwärts, auch wenn es einigen Leuten nicht gefallen sollte! In den 1980er Jahren betrieb der Bund den massiven Ausbau der Breitbandkabel-Netze. Finanziert wurde das vom Bundespost-Ministeriums (über Steuergelder!) und von den  damaligen Gebührenzahlern (20 Pfennig monatlich wurden als „Kabelgroschen“ abgeführt). Die Netze sowohl in den Gebäuden als auch die regionalen und überregionalen Signal-Zuführungen wurden wesentlich von der Bundespost betrieben. Es war alles ein wenig langatmig und behäbig, ein Staatsbetrieb eben. Aber es funktionierte zuverlässig.

Ende der 1990er Jahre gelang der Finanzwelt dann der Coup mit der T-Aktie! Sogar Prominente halfen dabei den kleinen Leuten das Geld für eine angeblich unschlagbare Telekom-Aktie aus der Tasche zu ziehen. Kurze Zeit später aber fiel der Kurs dramatisch und die Leute waren ihr Geld (fast) los. Na, und wer hat den Reibach gemacht?

Das Kabelgeschäft wurde aufgrund einer EU-Forderung von der inzwischen privatisierten Telekom in die Kabel Deutschland GmbH (KDG) ausgegliedert, die ihre Netze in NRW, Baden-Württemberg und Hessen prompt weiter verkaufte. KDG wurde dann auch verkauft und ist sei 2013 Teil des britischen Telekommunikations-Konzerns Vodafone.

Das ist also, wie das in Deutschland still und heimlich sehr oft geschieht, das Eigentum des Steuerzahlers – oder würde man es „Volkseigentum nennen? – verscherbelt worden. Einige wenige haben das Geld eingesackt, aber der eigentliche Eigentümer guckte in die Röhre und wurde auch noch mit der ach so tollen Telekom-Aktie über den Tisch gezogen. Ich will hier nicht verar….t sagen.

Der Bestand an Kabelhaushalten ist seit etwa 20 Jahren rückläufig; der Marktanteil des Kabel sinkt seither sogar überproportional, weil die Gesamtzahl der TV-Haushalte ständig steigt. 1997 wurden für das Kabel 18,56 von 33,11 Mio. Fernsehhaushalten gemeldet – das war ein Marktanteil von 56 Prozent. 2017 belieferte das Kabel zwar noch 17,93 von 38,89 Mio. Haushalten. Der Marktanteil ist auf 46 Prozent gefallen. Das Kabel hat die Führungsposition an die Sat-Verbreitung verloren. Und der größte Witz ist: ARD und ZDF zahlen – also in Wirklichkeit tut dieses wiedermal der Gebührenzahler!  – auch noch Millionen an den jetzigen Kabelbetreiber, damit ihre „öffentlich-rechtlichen“ Programme dort eingespeist werden.

Meiner Meinung nach kann man auch in Kabelhaushalten alle ortsüblichen öffentlich-rechtlichen TV-Programme „aus der Luft“, also über Antenne per DVB-T2, bekommen. Der technische Aufwand ist gering. Und wer dann die privaten Karnevals- und Dschungelsender in HD bekommen möchte, der kann sich auch die Kosten für den Kabelanschluss leisten, zumal wir alle irgendwann Geld vom Staat zurückerhalten. Und das nicht wenig!

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