Geschwindigkeitsrausch mit 56k

Sagen Ihnen Namen wie CompuServe, Addcom, AOL, Nikodemus noch etwas? Das sind Namen von Firmen, die in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts Telefonkunden die Einwahl ins weltweite Netz ermöglichten. Per „Dial-Up“, den typischen Modem-Geräuschen mit ihrem Zischen und Plingen und einer max. Geschwindigkeit von 56 kBits/sec. (wenn man eines dieser rasanten 56k-Modems sein eigen nannte). Hier in der Gegend war auch EWETEL bereits dabei. Der Einwahlpunkt lag in Tarmstedt, also gleich um die Ecke. Man konnte also nach Herzenslust die „Daten-Fernübertrags-Netzwerke“ (DFÜ) zum Glühen bringen. Bis sich da Seiten wie etwa „BILD.de“ oder „SPIEGEL.de“ aufgebaut hatten, konnte man getrost in aller Ruhe Brötchen holen und vorher noch einen Kaffee trinken. Wenn man eine Diskette „voll beladen“ hatte, das waren immerhin 1,4 Megabyte, war das eine Heldentat. Windows Word 6.0 brauchte gerade 11 Disketten – und konnte in etwa das, was heute MS Word 2015 auch kann. Das Betriebssystem DOS, das alles andere erst zum Laufen brachte, bestand aus 5 Disketten und einem dicken Handbuch.

Für viele Zeitgenossen war es ein echtes Rätsel, warum Textnachrichten (EMails) von Deutschland in die USA immer sofort ankamen bzw. beim Empfänger auftauchten. Umgekehrt aber brauchten EMail immer ungefähr 6 Stunden. Sicherlich fischte auch damals schon die NSA im Datensalat, der über den Großen Teich gehen sollte, aber die Post 6 Stunden lang zurückhalten, das wäre dann doch etwas zuviel der Wohltaten. Also, Erklärung: die Erde dreht sich. Wenn hier „der 5-Uhr-Tee genommen wird“, freut man sich in Amerika auf die Fritten bei MacD.Sicherlich erinnern Sie sich noch an Boris Becker (ehem. Tennisprofi), der schnell im AOL-Netz drin war, aber nicht wieder hausfand. Das Unternehmen hat demnach in den USA noch immer über 2,16 Millionen Kunden, die Dial-Up nutzen. Der Dial-Up-Service wurde einst als Einwahlmöglichkeit in das Internet eingerichtet. Hierzulande überschwemmte AOL die Nutzer mit den AOL-CDs, die die benötigte Software mitbrachten und ein paar Gratis-Stunden im World Wide Web offerierten. Man war mit der unglaublichen Geschwindigkeit von 56 Kilobits pro Sekunde „drin“. In den USA ist die durchschnittliche Internetgeschwindigkeit heute rund 200 Mal so hoch, im Durchschnitt bei 11,4 Megabits pro Sekunde.

Ich glaube, wenn man den Nutzern des Netscape-Navigators (ein Browser – Grundlage des Firefox) in den 90ern erzählt hätte, dass ihr Browser einmal spielkartengroße Telefone steuert, und diese wiederum zu Hause die Fenster öffnen und schliessen können, sie hätten ungläubig und verwirrt in die Zukunft geschaut. Mir fällt an dieser Stelle immer der berühmte Informatik-Professort Ernst Albenhauser, der leider 1949 viel zu früh verstorben ist, ein, der schon damals sagte: „Wir werden mit dem Internet nicht glücklich werden“. – Stimmt, warum ist der Akku schon wieder leer?

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