Die rechtlichen Grundlagen der Medikamentengabe

Die Medikamentengabe ist eine Leistung der häuslichen Krankenpflege. Ihre rechtliche Grundlagen sind in § 37 Absatz 2 Sozialgesetzbuch 5 geregelt. Die Ausführungsrichtlinien werden von dem Gemeinsamen Bundesausschuss, dem Vertreter der Ärzte, der Krankenhäuser und der Krankenkassen angehören, beschlossen.

Grundsätzlich hat der Arzt die Möglichkeit eine Anleitung zur Medikamenteneinnahme zu verordnen. Die ist vergleichbar einer Einnahmeempfehlung und letztlich ohne bindende Wirkung. Ziel der Anleitung ist es, den Patienten, seine Angehörigen oder andere Personen in Lage zu versetzen, die Medikamentengabe dauerhaft selbständig durchzuführen. Die Anleitung kann bis zu zehnmal vom Pflegedienst durchgeführt werden.

Wenn Heimbewohner, die ihre Medikamente nicht mehr selbst beschaffen und einnehmen können, das Heim mit dieser Aufgabe beauftragen, führt das Heim also Anleitung zur Medikamenteneinnahme aus. Ein Heim ist an die entsprechenden Verordnungen des Wohn- und Betreuungsgesetzes gebunden und benennt eine oder einen Mitarbeitende(n) als Verantwortlichen für die Medikamentenbeschaffung, – aufbewahrung und – verabreichung. Hier sind alle Heime gemeint, die nicht Pflegeeinrichtung im Sinne des SGB XI sind.

Ist eine Anleitung zur Medikamenteneinnahme nicht sinnvoll, so kann der Arzt die Medikamentengabe verordnen. Er stellt dazu eine Verordnung auf dem Kassenformular (Rezept) aus, deren Leistung von zugelassenen Pflegediensten erbracht und den Kassen gegenüber abgerechnet werden kann.

Zur Medikamentengabe gehören:

· das Richten der ärztlich verordneten Medikamente. Das Richten der Arzneimittel erfolgt i.d.R. wöchentlich (mit Ausnahme flüssiger Medikamente wie Säfte und Tropfen) und umfaßt auch die Kontrolle, ob die Medikamente regelmäßig eingenommen wurden.

· das Verabreichen von ärztlich verordneten Medikamenten, (z. B. Tabletten, Augen-, Ohren- und Nasentropfen, Salben, Tinkturen, Lösungen, Aerosole, Suppositorien)

Die Kosten für vom Hausarzt verordnete Leistungen nach SGB V werden von der Krankenkasse komplett übernommen, sofern eine Befreiung von der Rezeptgebühr vorliegt. Ist das nicht der Fall, dann sind die ersten 28 Tage pro Jahr 10 % der Kosten selbst zu tragen. Desweiteren müssen Sie für jede Verordnung häuslicher Pflege, die der Hausarzt ausstellt, 10,00 € an die Krankenkasse entrichtet werden. Es empfiehlt sich also, die Verordnung über einen möglichst langen Zeitraum ausstellen zu lassen.

Die Medikamentengabe ist nur verordnungsfähig bei Patienten mit

· einer so hochgradigen Einschränkung der Sehfähigkeit, dass es ihnen unmöglich ist, die Medikamente zu unterscheiden oder die Dosis festzulegen oder

· einer so erheblichen Einschränkung der Grob- und Feinmotorik der oberen Extremitäten, dass sie die Medikamente nicht an den Ort ihrer Bestimmung führen können oder

· einer so starken Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit, dass sie zu schwach sind, die Medikamente an den Ort ihrer Bestimmung bringen zu können oder

· einer starken Einschränkung der geistigen Leistungsfähigkeit oder Realitätsverlust, so dass die Compliance bei der medikamentösen Therapie nicht sichergestellt ist oder

· entwicklungsbedingt noch nicht vorhandener Fähigkeit, die Leistung zu erlernen oder selbständig durchzuführen.

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: